Es war einmal, anno 1994, da lebte ein holder Jüngling in der schönen Stadt Potsdam, in dem noch viel bezauberenden Stadtteil Babelsberg. Burghard hieß er und er saß sehr bekümmert in seiner Lieblingskneipe, dem "Weisenhaus". Grund für seine Bedrücktheit war die Tatsache, daß sich seine Band UNTANIWO aufgelöst hatte, weil sich seine bisherigen Gefolgsleute, welche guten Deutschpunk zu spielen wußten, dem satanischen Hardcore verschrieben hatten. Da wollte Burki, so wollen wir ihn von nun an nennen, nicht mitmachen. Denn er war ein guter Junge und Punkrocker von ganzem Herzen. Da hockte er nun, grübelteund trank ein Bier nach dem anderen als sich plötzlich ein kleines Männchen zu ihm setzte und ihn nach seinen Sorgen fragte. Burki lallte sich unter Tränen die Seele frei. Da stand das Männchen forsch auf, es reichte zwar nur noch bis zur Tischkante, seine wilde Entschlossenheit ließen es aber geradezu gigantisch ercheinen und sprach : " Zieh hinaus in die Welt und suche dir Kameraden von deinem Schlag und ich prophezeie dir Erfolg bei deinem Unterfangen ein Punkrockstar zu werden."Burki haute entschlossen mit seiner Faust auf den Tisch und brüllte: "Ja, das mache ich.", was die anderen Gäste der Spelunke etwas verwirrte, da sie außer ihm niemanden erblicken konnten. "Wie heißt du, mein Freund?" wollte er wissen. "Delirium" sagte das Männchen, verschwand und ward nicht mehr gesehen. Burki torkelte nach Hause in die Wollestraße 13 und schlief seinen Rausch aus. Am nächsten Morgen hatte er zwar einen mörderischen Schädel, konnte sich aber noch genau an das wundersame Erlebnis der letzten Nacht entsinnen. Schnell zog er sich an, das heißt nur seine Lederjacke, denn aus den uns bekannten Gründen war er sonst komplett bekleidet.

Dann lief er zum Getränke Hoffmann, holte sich zwei Six Packs und machte sich auf den Weg. Er war noch nicht weit gegangen, da lief ihm sein alter Kamerad WOBBEL über den Weg. Wobbel war, dem Aussehen nach, alles andere als ein Punk, konnte aber gut die Gitarre zupfen und hatte über die Jahre mit Burki eine heimliche Liebe für die Musik der härteren Gangart entwickelt.So brauchte es nicht viel Überredungskunst bis er zusagte mit unserem Held eine Liason einzugehen. Voller Freude über diesen schnellen Erfolg zogen die beiden ersteinmal in die Besetzerkneipe "Gutenberg 22" ein, um dort ein Mittagsmahl in flüssiger Form zu sich zu nehmen. In einer dunklen Ecke des Ladens erblickte Burki aufeinmal eine riesige Gestalt die an einem, für sie viel zu kleinen Tisch saß und vergeblich versuchte ihren Morgenkater mit einem Sturzbier auszutricksen. "Moin" sprach Burki vorsichtig die Gestalt an. "Skulefulefalefule" antwortete sie mit einem tiefen Brummen, das an einen Masseschluß von einer Baßbox errinnerte. Doch Burki redete entschlossen weiter. "Du bist doch GEILI, der Basser von der Bande der nimmersatten Trinker, den legendären LITERTANTEN, die schon zu Zeiten des grausamen Herrschers Erich des I. für Angst und Schrecken in den Reihen der königstreuen Garden sorgten." "Itn dutn ditn datn."antwortete Geili. "Hast du nicht Lust dich uns aunzuschließen und an deine Wilden Zeiten anzuknüpfen? Ein Haudegen wie du käme uns gerade recht." "Warum nicht?!" dröhnte Geili und sie besiegelten ihren Pakt mit einer neuen Runde Gerstensaft. Der Abend nahte und man begab sich in das nahegelegene Dörfchen Ludwigsfelde, wo im NVA Club in der Neckarstraße, ein fröhliches Saufgelage mit verschiedenen Spielmannstruppen stattfinden sollte. Und wieder war es Burki der einen, damals noch jungen, schlanken Punker mit einem grün leuchtenden Iro erblickte, von dem er wußte, daß er schon mit mehreren Stümpern versucht hatte eine Punkcombo auf die Beine zu stellen. Auch ihn sprach Burki nun an und schilderte sein Vorhaben, was nicht sehr erfolgreich war, da DUSCHE, so hieß der bunte Vogel, zu diesem Zeitpunkt für verbale Äußerungen nicht mehr aufnahmefähig war. Also steckte Burki ihm einen Zettel mit Adresse und Telefonnummer in seine abgerissene Lederjoppe.

Eine Woche verging und Burki wurde schon unruhig als es an der Tür schellte und Dusche wie Phönix aus der Asche, mit Gitarre überm Rücken, vor ihm stand und fragte: "Wann jehts denn los, Alter?" So fingen die vier Recken an erste gemeinsame Gehversuche in Sachen Punkrock zu machen. Aber es fehlte noch ein Meister der Ölfelle, denn Burghards Fähigkeiten waren auf diesem Instrument noch eher sehr bescheiden. Dieser Jemand fand sich in einem schwarzen, langhaarigen Etwas, das sich selbst Fairy nannte und von, ihr werdet's wohl schon wissen, Burki im Potsdamer Lindenpark aufgegabelt wurde. Bei einer feierlichen Messe wurden ihm die Haare in eine annehmbare Form gebracht und er zu Ehren vonHelge Schneiders Schlagmann, des größten Barden aller Zeiten, auf den Namen PETER umgetauft. Nun, nachdem das Quar- zum Quintett angewachsen war, mußte man sich sputen, denn schon in 100 Tagen sollte man sein Können bei der jährlichen Geburtstagsfeier des Dresdner Scheusals Jauche unter Beweis stellen. Doch oh weh! Mit Schrecken stellten die fünf Gesellen fest, daß ihnen noch ein Name fehlte. Da war guter Rat teuer. Also machte man sich frisch und wagemutig ans Werk. Weil sich keiner von ihnen ein Schloß oder einen Gutshof, geschweige denn einen Proberaum leisten konnte, wurde kurzer Hand in Burkis Kellerwohnung in der Wollestraße 13, heutzutage ein topsaniertes Wohnhaus, geprobt. Nicht gerade zur Freude der anderen Bürger, weil anfangs alles sehr schräg, laut um nicht zu sagen schlecht klang. Verschiedenste Vorschläge wurden unterbreitet. Sie hier zu erwähnen wäre zwar belustigend, würde aber diese Geschichte in die Unendlichkeit ausdehnen. Ratlosigkeit machte sich breit. Doch plötzlich ereilte Dusche die errettende Vision. "Babelsberger Pöbel" sagte er mit fremdartiger Stimme. "Das hat dir der Teufel gesagt" riefen die Anderen. Burki meinte: "Also wenn schon, dann "BABELSBERG PÖBELZ" was zwar niemand verstand, sie aber keinen Bock mehr hatten darüber weiter zu diskutieren. Man befand sich ja schließlich nicht im Bundestag.

So verstrichen die Wochen und ihr Tun begann langsam nach so etwas wie Musik zu klingen. Dann war es soweit. Der Tag an dem sich alles bewähren sollte hatte begonnen. Unruhe machte sich unter den Pöbelz breit. Sollten sie doch gemeinsam mit, damals ruhmreichen, Troubadouren wie den STRIKES, KIEZGESOX und SKORBUT spielen. Man bestieg eine alte, klapprige Kutsche, dessen Zugpferd eher so aussah als wäre es im Schlachthof bei Meister Rügenwald besser aufgehoben und zuckelte in den NVA Club, dem Ort der Festlichkeiten. Dort angekommen sah man schon Volk aus den verschiedensten Fürstentümern angereist. Dusche fühlte sich wohl, war er doch bis vor kurzer Zeit ein Vagabund gewesen und traf hier viele seiner damaligen Weggefährten. Aber auch aus dem königlichen Potsdam war genug Gesindel eingetroffen. Es wurde Abend und unsere Pöbelz betraten schweigend, teils vor Aufregung, teils vor Trunkenheit die Bühne. Burki schaute auf das Publikum und für einen Augenblick glaubte er ein kleines Männchen gesehen zu haben das johlte und beide Daumen drückte. Das erste Stück erklang und tatsächlich, wie auf wundersame Weise, spielten alle im gleichen Tempo und Rhythmus und nach kurzer Zeit begannen auch einige buntgekleidete Hofnarren und -närrinnen ihren Veitstanz, genannt Pogo, aufzuführen. Daß die Verstärker ein paarmal ausfielen, dem Peter aufgrund der Schwerkraft die Trommelknüppel ständig runterfielen und Dusche bei seinem Gesangsstück mörderisch auf die Fresse fiel, sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt. Kurz: Beim ersten mal tuts immer weh und man konnte diesen Abend als kleinen Erfolg verbuchen was uns zu neuen Abenteuern anspornte. Danach spielten die erwähnten, in ihrem Können schon gereifteren Gruppen bis das Fest mit der tradionellen "Ich habe einen Nazi gesehen" Schlägerei und ähnlichen Zwistigkeiten langsam dem Ende entgegen ging.

3 Jahre waren vergangen. Die Pöbelz spielten in den verschiedensten Provinzen des Landes. Außerdem schafften sie es einen Teil ihres Liedgutes auf ein Tape und eine EP zu bannen, die heute nur noch schwer zu erhalten sind. Da ereilte sie ein schwerer Schlag. Wobbel, der Virtuose der Pöbelz, kam in Kontakt mit einer bösen Hexe, die auch drei kleine Kobolde zur Absicherung ihres Unterhalts besaß. Sie verhexte ihn mit einem durchtriebenen Zauberspruch, der die Folge hatte, daß ein vierter Kobold entstand. Wobbel wurde in ihren Bann gezogen, verlor seinen freien Willen und löste die Verbindung mit den Pöbelz. Vergeblich waren gegen diesen bösen Fluch alle Bemühungen, Gegensprüche und Zaubertränke und so mußten Burki, Peter, Dusche und Geili ihren Freund schweren Herzens ziehen lassen.

Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder. Denn nur kurze Zeit darauf betrat Steffen die Bühne unserer kleinen Geschichte. Er war Mitstreiter bei UNTANIWO, die mit ihren Versuchen durch Hardcore Erfolg zu erzielen kläglich gescheitert waren. Er war geläutert und als er erfuhr, daß bei den Pöbelz eine Stelle freigeworden war faßte er Mut und traf sich auf ein Wort mit Burki. Dieser empfing ihn mit offenen Armen und Tränen in den Augen, war er doch froh einen guten Freund wiedergewonnen zu haben. Von nun an spielte Steffen die zweite Geige. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Ende des Jahres 1997 zog es Peter in die Hansestadt Hamburg um Pirat zu werden und sich den Liekedeelern anzuschließen. Das beförderte die Pöbelz ersteinmal auf die Auswechselbank. Man versuchte es mit verschiedenen anderen Schlagzeugern, mit einem nahm man die zweite EP auf, aber niemand vermochte an das Können Peters heranzureichen. So dümpelte man zwei Jahre mehr oder weniger rum,Steffen stieg aus, weil er abermals dem Hardcore verfiel. Dann erreichte die Pöbelz die frohe Botschaft, daß Peter seinen Piratenjob an den Nagel gehängt und die Liebe zu seiner Heimat gesiegt hatte. Er kehrte zurück und jetzt fehlte nur noch ein neuer Zweitgitarrist, weil Dusche erklärte er sei zu faul um alles alleine zu klimpern. Es fand sich jemand passendes in einem sehr jungen Stallburschen der vor noch nicht allzu langer Zeit die Knüppel bei den SYNTHEMECS geschwungen hatte aber auch Laute spielen konnte. STINKI war sein Name und er paßte zu unseren gesellen wie die Marmelade aufs Brot, denn er sprühte vor Energie und neuen Ideen.

Wieder zogen 3 Jahre ins Land und unsere wackeren Pöbelz schafften es eine Langrille mit dem schönen Titel "MEINE HAND FÜR MEIN PRODUKT" aufzunehmen. Nun waren sie endgültig in den Analen der deutschen Punkwelt eingerastet. Desweiteren schufen sie eine Stadionhymne für ihre zweite große Liebe neben der Musik, dem SV BABELSBERG 03.Sie wird noch heute lauthals von allen Fans in der Nordkurve geschmettert. Da gescah es, daß Stinki mit gerade mal 23 Lenzen die Krankheit "Ich muß mein Leben auf die Reihe kriegen und mich von der Zaubermacht des Punk befreien." erwischte und er sang und klanglos die Band verließ um an der königlichen Hochschule Potsdams sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Da diese Krankheit zu 95% unheilbar ist, ließen die Pöbelz ihn ziehen. Sie gingen in die Katakomben des Archivs und hielten einen zünftigen germanischen Thing mit Med und allem Drum und Dran ab. Die vier gereiften Kerle waren nun schon fast 9 Jahre eine eingeschworene Gemeinschaft, die alles außer ihre Frauen miteinander teilten. So beschlossen sie ihren weiteren Weg in Sachen Pöbelz von nun an als Quadriga fortzuführen. Am folgenden Tag ging Burki zu einer alten Kräuterhexe und bekam von ihr nach wenigem Austausch von Zärtlichkeiten einen Trank mit dem er die hohe Fähigkeit des Ukulelespielens im Nu beherrschte. Zwar auf seine ganz spezielle Art und Weise, aber er beherrschte sie.

Seit dem spielen die BABELSBERG PÖBELZ im klassischen THE CLASH- line up überall, wo sie gehört werden wollen und genügend Getränke bereitgestellt werden. Ein Ende ist für die Kings vom Kiez noch lange nicht in Sicht...